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ABS

Das erste Material dieser Serie aus der gelben statt der grünen Zone – und das erste, bei dem die geschlossene, beheizte Kammer dieses Druckers wirklich zählt statt nur ein Nice-to-have zu sein. Zäh, schlagfest, deutlich hitzebeständiger als jedes PLA oder PETG, dafür anspruchsvoller im Druck.

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Was ist ABS, und ABS vs. ABS+

Nahaufnahme einer dichten, glatten Kunststoffoberfläche
Referenzfoto: dichte Kunststoffoberfläche, Symbolbild (Foto: Sisters.seamless / Wikimedia Commons, CC0) – nicht das gedruckte Ergebnis. ABS ist ein technischer Kunststoff, kein Naturmaterial wie Holz oder Marmor.

ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) ist ein Copolymer aus drei Monomeren – der klassische technische Kunststoff aus Gehäusen, Armaturenbrettern und Spritzguss-Konsumgütern, lange bevor es 3D-Druck gab. Der entscheidende Unterschied zu allem, was in dieser Serie bisher lief: deutlich hitzebeständiger. Reines ABS hält dauerhaft rund 90 °C aus, gegenüber ~55 °C bei PLA, ~70 °C bei PETG und ~80 °C bei TPU (siehe PETG).

  • ABS (Standard). Zäh, schlagfest, hitzebeständig – aber neigt beim Abkühlen zu Verzug (Warping) und riecht beim Drucken deutlich wahrnehmbar nach Styrol.
  • ABS+ – dieselbe Idee wie PLA+ und PETG-CF. Schlagzähmodifikatoren und Haftvermittler verbessern Schichthaftung, reduzieren Verzug und Geruch spürbar. Der Kompromiss: etwas weniger Spitzenwärmebeständigkeit als reines ABS – für Teile direkt neben einer echten Wärmequelle bleibt klassisches ABS oder ASA die bessere Wahl.

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Was der Drucker braucht

Das erste Material der Serie, bei dem die geschlossene, beheizte Kammer dieses Druckers vom netten Extra zur Voraussetzung wird:

  • 240–270 °C Düse, 90–110 °C Bett empfohlen (real 90 °C auf diesem Drucker – siehe Materialien, „Gelbe Zone“). Kammer 50–60 °C beheizt, ausdrücklich an – das Gegenteil der Regel bei PETG.
  • Kammer vorheizen, 15 bis 20 Minuten Vorlauf. Nicht bei kalter Kammer starten, Bett und Luft brauchen Zeit, sich anzugleichen.
  • Tür zu, den ganzen Druck über. Jedes Öffnen ist ein Kälteschock für die Kammer.
  • Brim großzügig, 5 bis 8 mm. Kompensiert die fehlenden 20 °C gegenüber dem empfohlenen Bett.
  • Erste Schicht langsam und leicht gequetscht, Bett wirklich fettfrei – notfalls Haftmittel, das ist Standardpraxis bei ABS, kein Notbehelf.
  • Bauteilkühlung stark runter, oft ganz aus – anders als bei PLA, wo kräftige Kühlung Standard ist.

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Warping – der Klassiker

ABS schrumpft beim Abkühlen deutlich stärker als PLA oder PETG – auf offenen Druckern ohne beheizte Kammer ist Warping (sich ablösende, hochbiegende Ecken) der Hauptgrund, warum ABS als „schwierig“ gilt. Genau hier zeigt sich der Vorteil der geschlossenen, beheizten Kammer dieses Druckers: eine gleichmäßig warme Umgebungstemperatur hält das ganze Bauteil beim Abkühlen in etwa auf demselben Temperaturniveau, statt dass nur die unterste Schicht am heißen Bett haftet, während der Rest des Teils in kalter Raumluft schrumpft.

Der Brim aus Abschnitt 02 bleibt trotzdem sinnvoll – die Kammer entschärft Warping strukturell, ersetzt aber keine gute erste Schicht bei großflächigen oder eckigen Bauteilen, wo sich Spannungen am ehesten zeigen.

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Wann ein Trockner nötig wird

Moderat empfindlich – und laut Hygroskopie-Reihenfolge aus Materialien sogar etwas unkritischer als PETG: PVA und PA am empfindlichsten, dann BVOH, TPU, PETG, erst danach ABS/ASA, PLA am unempfindlichsten. 65 bis 70 °C Trocknungstemperatur, falls nötig – feuchtes ABS zeigt sich durch Blasenbildung und eine raue Oberfläche, ähnlich wie bei PETG.

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Nachbearbeitung

Acetondampf-Glätten – funktioniert bei ABS, anders als bei PLA. Auf der PLA-Seite steht ausdrücklich, dass Aceton dort kaum etwas bewirkt. Bei ABS ist es genau umgekehrt: Acetondampf löst die Oberfläche leicht an und verschmilzt sie zu einer glatten, glänzenden Haut ohne sichtbare Schichtlinien – die klassische Nachbearbeitung für ABS-Teile.

Sicherheitshinweis: Aceton ist leicht entzündlich, die Dämpfe sollten nicht eingeatmet werden – nur in gut belüfteten Räumen oder in einer geschlossenen Dampfkammer arbeiten, offene Flammen und Zündquellen fernhalten.

Kleben funktioniert unkompliziert mit ABS-Kleber (in Aceton gelöstes ABS) oder Sekundenkleber. Wegen der hohen Hitzebeständigkeit ist ABS zudem das naheliegende Material für Funktionsteile, die tatsächlich warm werden dürfen – Lüftergitter, Gehäuse mit Elektronik, Halterungen in Motornähe.

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Wo kaufen

Ein Hinweis vorab: Prusament hat sein klassisches ABS inzwischen eingestellt und komplett auf ASA umgestellt – die Premium-Stufe kommt hier deshalb von einer anderen Marke als bei den meisten übrigen Materialien dieser Serie.

  • Höchste Qualität, ca. 20–24 €/kg: Polymaker PolyLite ABS – in mehreren aktuellen Tests wegen geringem Geruch beim Drucken und hoher Farbkonsistenz an der Spitze, engste Fertigungstoleranz unter den noch aktiven ABS-Marken. Über 3DJake.
  • Gute Qualität, ca. 19–25 €/kg (allgemeine Standard-ABS-Spanne, kein markenspezifischer Preis auffindbar): FormFutura ABS – breite Farbauswahl, gilt ebenfalls als geruchsarm beim Drucken.
  • Mittlere Qualität, ca. 15–19 €/kg: eSUN ABS+ – günstiger Einstieg, Schlagzähmodifikatoren und Haftvermittler für weniger Verzug und Geruch, dafür etwas geringere Spitzenwärmebeständigkeit als reines ABS.

Keine eigene Testerfahrung – der Drucker ist noch nicht angekommen, siehe Abenteuer. Die Einordnung oben stammt aus Vergleichstests und Herstellerangaben, nicht aus einem eigenen Praxistest.

Weitere Materialien im Detail: ASA, PLA, PLA-CF, Wood-PLA, Marmor-PLA, Silk-PLA, Matt-PLA, Glow-in-the-Dark, Metallgefüllt, Lösliche Stützen, TPU 95A, PETG, PA-CF (Nylon).