Material im Detail · HIPS
HIPS
Das lösliche Stützmaterial für die heiße Seite des Druckers: HIPS löst sich in d-Limonen – einem Orangenterpen, nicht in Wasser – und druckt bei denselben Temperaturen wie ABS und ASA. Damit schließt es genau die Lücke, die PVA und BVOH offen lassen: Die wasserlöslichen Stützen passen zu PLA, PETG und TPU, aber nicht zu den Gelbe-Zone-Materialien. Wer ABS mit echten löslichen Stützen drucken will, braucht HIPS.
01
PVA, BVOH oder HIPS – welches lösliche Stützmaterial wann
- Zone
- gelb · Kammer hilft
- Bett empfohlen
- 90–110 °C
- Bett real gemessen
- 90 °C
- Urteil
- machbar – lösliches Stützmaterial für ABS/ASA (d-Limonen)
Die Entscheidung folgt fast allein dem Partner-Material des Modells, nicht der Qualität der Stütze (Stand 01.09.2026):
| PVA | BVOH | HIPS | |
|---|---|---|---|
| Löst sich in | Wasser | Wasser | d-Limonen (Orangenterpen) |
| Passt zu | PLA, PETG, TPU | PLA, PETG, TPU, PA | ABS, ASA |
| Düse ca. | 190–220 °C | 190–220 °C | 225–255 °C |
| Bett ca. | 50–60 °C | 50–60 °C | 90–110 °C |
| Beheizte Kammer | nein | nein | ja – wegen des ABS/ASA-Partners |
| Feuchteempfindlich | extrem | stark | gering |
| Preis ca. | 60–120 €/kg | 50–90 €/kg | 20–32 €/kg |
| Nachbearbeitung | Wasserbad, Abfluss-Regeln beachten | Wasserbad | Limonen-Bad, Handschuhe, Schadstoff-Entsorgung |
Die Faustregel: Wer PLA oder PETG druckt, bleibt bei den wasserlöslichen Stützen von der PVA/BVOH-Seite – Wasser ist ungiftig, billig und geht in den Ausguss. HIPS ist die Ergänzung für ABS und ASA: Es verträgt die heiße Kammer, in der PVA längst weggekocht wäre, und löst sich in einem Lösemittel, das ABS und ASA weitgehend unangetastet lässt. Dazu ist HIPS mit rund 20 bis 32 €/kg das mit Abstand günstigste lösliche Stützmaterial und deutlich unempfindlicher gegen Feuchte.
02
Was der Drucker braucht
Düse, Bett und Kammer
Startwerte aus Herstellerangaben und Recherche, noch ohne eigenen Druck
gelbe Zone
Temperaturmäßig liegt HIPS im selben Fenster wie ABS – genau das ist der Grund, warum die Kombination funktioniert. Herstellerangaben (Stand 01.09.2026): Spectrum nennt für HIPS-X 230 bis 245 °C Düse und 80 bis 100 °C Bett, die Prusa-Knowledge-Base 225 bis 255 °C und 100 bis 110 °C. Zusammengefasst: Düse rund 230–250 °C, Bett 90–110 °C empfohlen – real 90 °C auf diesem Drucker, die 65-°C-Kammer fängt den Rest ab. Es gilt exakt das Gelbe-Zone-Praxisrezept von ABS: Kammer vorheizen, Tür zu, Brim 5 bis 8 mm, Bauteilkühlung stark reduziert.
Der eigentliche Vorteil sitzt im Toolchanger: HIPS bekommt einen eigenen der vier Köpfe und wird ohne Purge-Turm gewechselt – derselbe Mechanismus wie bei PVA/BVOH, nur auf der Hochtemperatur-Seite. Die Interface-Only-Strategie funktioniert hier genauso: nur die Kontaktschichten aus HIPS, den Stützkörper aus demselben ABS wie das Modell – der ABS-Körper wird mechanisch entfernt, nur das dünne HIPS-Interface wandert ins Limonen-Bad. Und wie bei ABS und ASA setzt HIPS Styrol-Dämpfe frei – die eingebaute HEPA-/Aktivkohle-Filtration ist Teil des Konzepts, trotzdem lüften.
03
Warping
Verzug im Blick behalten
Kammer, Brim und Geduld gehören dazu
Kammer an
Gute Nachricht vorweg: Laut Prusa-Knowledge-Base schrumpft HIPS deutlich weniger als ABS – als reines Modellmaterial gedruckt ist es damit gutmütiger als sein Partner. In der Praxis als Stützmaterial entscheidet aber nicht HIPS über den Verzug, sondern das ABS- oder ASA-Modell drumherum: Beide Materialien teilen sich Kammer und Bett, und das Modell bringt die volle Warping-Neigung der Gelben Zone mit. Deshalb bleibt die Einstufung Gelbe Zone, obwohl HIPS selbst weniger verzugsanfällig ist – wer hier druckt, fährt ohnehin das volle ABS-Setup. Wenn HIPS-Stützen mit kleiner Kontaktfläche am Bett abheben, hilft laut Prusa die Brim-/Randfunktion – die steht im Praxisrezept ohnehin.
04
Trockner – gut zu haben, keine Pflicht
Der entspannteste Punkt dieser Seite: HIPS ist nur gering feuchteempfindlich – in der Hygroskopie-Reihenfolge aus Materialien weit unter PVA („extrem“), BVOH („stark“) und sogar unter ABS/ASA. Kein Hersteller der geprüften Datenblätter fordert eine Pflichttrocknung, anders als bei PVA/BVOH oder PA-CF. Die Community-Richtwerte (65–75 °C für einige Stunden) sind ein Reparatur-Rezept für den Fall, dass eine lange offen gelagerte Spule Blasen oder Stringing zeigt – kein Standard-Schritt vor jedem Druck. Trockene Lagerung schadet trotzdem nie.
05
Nachbearbeitung: das Limonen-Bad – und was man ehrlich dazusagen muss
d-Limonen ist ein natürliches Terpen aus Zitrusschalen – es riecht nach Orange und klingt harmlos. Ist es nicht ganz. Das Sicherheitsdatenblatt ist eindeutig: H315 (verursacht Hautreizungen), H317 (kann allergische Hautreaktionen auslösen), H410 (sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung), dazu entzündbar. Konkret heißt das:
- Nitril-Handschuhe und gelüfteter Raum. Limonen entfettet und reizt die Haut; „natürlich“ heißt nicht hautverträglich.
- Niemals in den Abfluss. Wegen H410 gehört die verbrauchte Lösung zur Schadstoffannahme, nicht in die Kanalisation – anders als das PVA-Wasser in kleinen Mengen gibt es hier keine Abfluss-Grauzone.
- Das Bad ist mehrfach verwendbar. Ein Liter kostet etwa 20–30 € (Shop-Angaben, Stand 01.09.2026); gelöstes HIPS lässt sich absetzen oder abfiltrieren, das klare Limonen geht zurück in die Flasche. Erst gesättigte Brühe ist Abfall.
- Kurz tauchen statt stundenlang auflösen. Ein wichtiger Praxis-Hinweis aus der Prusa-Knowledge-Base: Manche ABS- und ASA-Filamente reagieren selbst empfindlich auf lange Limonen-Einwirkung – die Schichthaftung leidet, das Modell kann in Flocken zerfallen. Empfohlen wird, die Stützen nur kurz anzulösen (Sekunden bis Minuten) und dann mechanisch abzunehmen, statt sie komplett wegzulösen. Vor dem ersten großen Druck mit einem Probestück testen, wie das eigene ABS/ASA reagiert.
Ein fairer Vergleich zum Schluss: Die Wasser-Nachbearbeitung von PVA/BVOH ist ungiftiger und einfacher. HIPS kauft die ABS/ASA-Kompatibilität mit Chemie, die Handschuhe, Entsorgungsdisziplin und einen eigenen Arbeitsplatz verlangt – für ein Familienprojekt eine echte Abwägung, kein Selbstläufer.
06
Wo kaufen
HIPS ist ein Nischenmaterial – die Auswahl ist kleiner als bei PLA oder PETG, aber drei brauchbare Stufen sind gut verfügbar (Preise: Shop- bzw. Herstellerangaben, Stand 01.09.2026):
- Preiswert, ca. 20 €/kg: FlashForge HIPS – 1-kg-Spule in Natur oder Weiß, ausgerechnet vom Hersteller dieses Druckers; 19,90 € im deutschen FlashForge-Shop. Als Stützmaterial, das am Ende im Lösemittel landet, ist die Billig-Spule hier funktional vertretbarer als bei Modellmaterial.
- Gute Qualität, ca. 23–26 €/kg: Spectrum HIPS-X – 1-kg-Spule, Herstellerangaben 230–245 °C Düse / 80–100 °C Bett, mit Spulen-Zertifikat. Über den Spectrum-Shop, Preisvergleich ab 22,99 €.
- Mehr Farben, ca. 28–32 €/kg: Fiberlogy HIPS – in Schwarz, Weiß, Grau und Natur, allerdings nur 0,85-kg-Spulen (26,99 € bei Makersupply, umgerechnet etwa 31,75 €/kg).
Dazu das Lösemittel: d-Limonen (auch als Orangenterpene verkauft) gibt es in 3D-Druck-Shops, ca. 20–30 € pro Liter – z. B. bei 3Dmensionals (28,90 €/Liter) als „Auswaschlösung für HIPS“ deklariert.
Keine eigene Testerfahrung – der Drucker steht erst seit dem 1. September hier, siehe Abenteuer. Die Einordnung oben stammt aus Hersteller-Datenblättern, der Prusa-Knowledge-Base und Shop-Angaben, nicht aus einem eigenen Praxistest.