Material im Detail · PETG
PETG
Kein Effekt, kein Schmuckstück – das Arbeitspferd. Zäh, UV- und witterungsfest, spülmaschinenfest: das Material für alles, was einfach funktionieren muss. Mit PETG-CF gibt es eine mechanisch verstärkte Version, und mit PCTG einen chemisch eigenständigen Verwandten – schlagzäher und kristallklar, aber mit kleinerem Markt und höherem Preis.
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PETG, PETG-CF und PCTG im Vergleich
Eine Materialfamilie, drei Ausbaustufen: PETG ist die Basis, PETG-CF verstärkt sie mechanisch, und PCTG geht chemisch einen eigenen Weg – alle drei sind Copolyester, alle drei drucken sich im gleichen Temperaturfenster, aber die Eigenschaften laufen danach auseinander.
PETG (Standard)
Zäh statt spröde, UV-/witterungsfest, spülmaschinenfest – deutlich unempfindlicher im Alltag als PLA, dafür etwas anspruchsvoller beim Druck selbst (neigt zu Fäden/Stringing, klebt stärker am Bett). Das Arbeitspferd für alles, was einfach nur funktionieren muss, ohne besondere Ansprüche an Schlagzähigkeit oder Optik.
PETG-CF – mechanisch verstärkt
10 % Kohlefaser-Beimischung macht das Material schlagzäher und formstabiler, es splittert nicht wie reines PETG unter Stoßbelastung. Der Preis dafür: tiefmattschwarz statt farbig oder transparent, und leicht abrasiv – anders als bei Standard-PETG lohnt sich hier ein Blick auf den Düsenzustand.
PCTG – die transparente Steigerung
PCTG ist kein PETG-Zusatz wie PETG-CF, sondern ein eigenes Copolyester auf Basis von Cyclohexandimethanol (CHDM, z. B. Eastman Tritan) – chemisch verwandt, aber ein anderes Grundpolymer. Das Ergebnis: in unabhängigen Tests (CNC Kitchen) rund 24 kJ/m² Kerbschlagzähigkeit gegenüber 5–8 kJ/m² bei Standard-PETG – etwa auf ABS-Niveau, aber ohne dass ein Gehäuse nötig wäre. Dazu kristallklare Transparenz, wo PETG „klar“ bestenfalls durchscheinend bleibt. Der Haken: PCTG reagiert empfindlicher auf Feuchtigkeit als Standard-PETG und wird nur von wenigen Marken angeboten – faktisch ist Fiberlogy hier praktisch konkurrenzlos, entsprechend weniger Preiswettbewerb.
Im Vergleich
| PETG | PETG-CF | PCTG | |
|---|---|---|---|
| Basis | Standard-Copolyester | PETG + 10 % Kohlefaser | eigenes Copolyester (CHDM-basiert) |
| Schlagzähigkeit (Izod) | 5–8 kJ/m² | höher, formstabiler | ~24 kJ/m² (ABS-Niveau) |
| Optik | farbig/transparent-trüb | tiefmattschwarz | kristallklar |
| Düse | 230–250 °C | 240–260 °C | 230–260 °C (PETG-Profil +10 °C) |
| Bett | 70–85 °C | 70–85 °C | 70–85 °C |
| Abrasiv? | nein | leicht, gehärtete Düse | nein |
| Trocknen | moderat, 60–65 °C | moderat, 60–65 °C | empfindlicher als PETG, 60–65 °C |
| Preis ca. | 15–37 €/kg | 30–40 €/kg | 25–30 €/kg |
| Typischer Einsatz | Halterungen, Gehäuse, Outdoor | Werkzeuggriffe, Stoßbelastung | Sichtfenster, Lichtleiter, klare Schutzabdeckungen |
Transluzentes PETG ist noch eine vierte, dekorative Variante (Glas-/Kristalloptik) aus der Effektmaterialien-Familie, siehe Materialien – eigenständiges Thema, keine eigene Seite hier.
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Was der Drucker braucht
- PETG: 230–250 °C Düse, 70–85 °C Bett. PETG-CF etwas heißer: 240–260 °C Düse, gleiche Bett-Spanne.
- Kammer bewusst kalt halten – der wichtigste, unerwartete Punkt. Anders als bei ABS, ASA oder Nylon wird PETG bei zu warmer Kammer matschig, und Überhänge fallen. Kammerheizung hier also nicht „immer an“ stellen, sondern aus lassen oder auf maximal 40 °C begrenzen.
- PETG-CF braucht eine gehärtete Düse – serienmäßig vorhanden, aber der Kohlefaseranteil verschleißt Standard-Messing genauso wie bei den Effektmaterialien.
- PCTG: PETG-Profil + 10 °C. Als Faustregel reicht es, das eigene PETG-Profil zu nehmen und die Düse um 10 °C zu erhöhen (praktisch 230–260 °C), dazu die Flussrate um 2–3 % anheben – PCTG ist etwas viskoser. Beim ersten Spulenwechsel lohnt sich ein kurzer Temperaturturm (230–250 °C in 5-°C-Schritten), um die optimale Temperatur für die jeweilige Marke zu finden.
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Wann ein Trockner nötig wird
Moderat empfindlich – deutlich unkritischer als PVA/BVOH oder Nylon, aber nicht so unbekümmert wie PLA. In der Hygroskopie-Reihenfolge liegt PETG zwischen TPU und ABS/ASA. Feuchtes PETG zeigt sich durch Fäden und eine raue, blasige Oberfläche.
PCTG reagiert empfindlicher auf Feuchtigkeit als Standard-PETG – kein dramatischer Unterschied wie bei PVA/BVOH, aber genug, dass sich eine trockene Lagerung mehr lohnt als bei PETG. Anzeichen sind dieselben: Stringing, raue Oberfläche, vereinzelte Blasenbildung.
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Das Trockner-Setup
60 bis 65 °C, branchenüblich 6 bis 8 Stunden – siehe Materialien. Danach luftdicht mit Silikagel zwischenlagern, besonders vor längeren Funktionsdrucken. PCTG läuft im selben Fenster (60–65 °C, 4 bis 8 Stunden) und braucht kein eigenes Setup – wegen der höheren Feuchteempfindlichkeit aus Abschnitt 03 aber konsequenter luftdicht lagern als Standard-PETG.
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Einsatzbereich
PETG ist das Material für alles, was einfach nur zuverlässig funktionieren soll: Halterungen, Gehäuse, Outdoor-Teile, Küchenhelfer. Kaum Nachbearbeitung nötig – die Oberfläche ist ab Druck glatt genug für den funktionalen Einsatz.
PETG-CF kommt dort zum Zug, wo Standard-PETG unter Last splittern würde: mechanisch beanspruchte Halterungen, Werkzeuggriffe, Teile mit Stoßbelastung. Der Tausch lohnt sich nur, wenn die zusätzliche Steifigkeit wirklich gebraucht wird – für alles andere ist der Aufpreis unnötig.
PCTG ist die richtige Wahl, wenn beides zugleich gebraucht wird: Transparenz und Schlagfestigkeit. Sichtfenster an Gehäusen, Lichtleiter, klare Schutzabdeckungen, Teile, die stoßfest sein müssen, ohne dabei die Sicht zu verlieren – genau die Kombination, für die weder PETG „klar“ (nicht wirklich klar genug) noch PETG-CF (tiefschwarz, keine Transparenz) taugt.
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Wo kaufen
Bei Standard-PETG korreliert der Preis stark mit der Fertigungspräzision und der Vorkonfiguration in Slicer-Profilen.
- Höchste Qualität, ca. 30–37 €/kg: Prusament PETG – engste Durchmessertoleranzen, für Prusa-Drucker vorkonfiguriert, aber auch auf anderen Systemen einsetzbar. Über den Prusa-Shop.
- Gute Qualität, ca. 18–24 €/kg: Polymaker PolyLite PETG – gilt in Vergleichen als bestes Preis-Leistungs-Verhältnis, besonders auf Nicht-Prusa-Druckern. Über 3DJake.
- Mittlere Qualität, ca. 15–20 €/kg: eSUN PETG – günstigste der drei Marken, für hohen Verbrauch ohne Präzisionsanspruch gut geeignet.
PETG-CF bewegt sich als eigene Preisstufe bei ca. 30–40 €/kg, unabhängig von der Marke (Fiberlogy, SUNLU und eSUN-CF liegen dabei alle nah beieinander) – hier lohnt sich kein Drei-Stufen-Vergleich, der Aufpreis gegenüber Standard-PETG ist der eigentliche Unterschied. Über Fiberlogy oder SUNLU.
PCTG liegt bei ca. 25–30 €/kg – ebenfalls eine einzelne Preisstufe statt drei, aber aus einem anderen Grund als bei PETG-CF: Fiberlogy ist praktisch die einzige etablierte Marke mit belastbaren Preisangaben, ein Prusament-PCTG gibt es (Stand dieser Recherche) nicht. Über Fiberlogy oder 3DJake. Kleiner Markt bedeutet auch weniger Preiswettbewerb – das ist ein Teil des Aufpreises gegenüber PETG, nicht nur die Materialkosten.
Keine eigene Testerfahrung – der Drucker ist noch nicht angekommen, siehe Abenteuer. Die Einordnung oben stammt aus Vergleichstests und Herstellerangaben, nicht aus einem eigenen Praxistest.
Weitere Materialien im Detail: PLA, PLA-CF, Wood-PLA, Marmor-PLA, Silk-PLA, Matt-PLA, Glow-in-the-Dark, ABS, ASA, PA-CF (Nylon), Metallgefüllt, Lösliche Stützen, TPU 95A.