Material im Detail · TPU 95A
TPU 95A
Kein Deko-Effekt, sondern ein zweites Funktionsmaterial neben PVA/BVOH: flexibles Filament für Dichtungen, Griffe, Dämpfer und Räder – eine Shore-Härte von 95A, gummiartig elastisch statt starr wie jedes PLA oder PETG auf dieser Seite. Mit TPU-GF gibt es eine glasfaserverstärkte Variante, die in Richtung Nylon-Festigkeit zielt (inzwischen als eigene Seite ausgewachsen) – und dabei trivial einfach zu drucken bleibt. In die andere Richtung gehen TPU 85A und PEBA: weicher, federnder, anspruchsvoller in der Zuführung. Alle vier Varianten im Vergleich: TPU-Familie.
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Shore-Härte: 95A ist nicht gleich 95A
- Zone
- grün · Bett bis 85 °C
- Düse
- 220–240 °C
- Bett
- 40–60 °C
- Preis
- 19–45 €/kg
- Shore-Skala. 95A ist die härtere, leichter zu druckende Seite des TPU-Spektrums – weichere Varianten (60A bis 90A) fühlen sich deutlich gummiartiger an, brauchen aber fast immer einen Direktextruder mit kurzem Filamentweg. 95A druckt sich auf den meisten Toolchangern ohne Umbau.
- Trotz gleicher Shore-Angabe unterschiedlich steif. Vergleichstests zeigen spürbare Unterschiede zwischen Marken, die alle „95A“ auf die Spule schreiben – manche liegen näher am weicheren, manche näher am starreren Ende der Bandbreite. Ein Detail, das bei keinem anderen Material auf dieser Seite eine Rolle spielt.
- Bruchdehnung schwankt je nach Hersteller zwischen rund 400 % und 500 % – entscheidend für alles, was oft gedehnt wird (Dichtungen, Bänder), weniger wichtig für starre Dämpfer- oder Griffgeometrien.
TPU-GF – ausgelagert auf eine eigene Seite
Die glasfaserverstärkte Steigerung (Siraya Tech Fibreheart, 15 % Kurzglasfasern in 67D-TPU: Richtung Nylon-Festigkeit, aber schlagfest und ohne Kammer druckbar) hat so viel eigenen Stoff – inklusive Vergleich mit den anderen Faser-Materialien der Site –, dass sie jetzt eine eigene Seite hat: TPU-GF im Detail. Den Vergleich aller vier Flex-Varianten (95A, 85A, PEBA, TPU-GF) gibt es auf der TPU-Familien-Seite.
TPU 85A und PEBA – die weichere Seite
Nach unten hin wird es gummiartiger – und schwieriger in der Zuführung. TPU 85A (z. B. NinjaFlex, Siraya Flex TPU 85A; Recreus Filaflex liegt mit 82A noch darunter) fühlt sich schon wie Gummi an – NinjaTek gibt 660 % Bruchdehnung an –, ist aber weich genug, dass es sich in langen Zuführschläuchen staucht. Auf diesem Drucker, dessen Köpfe per Schlauch geführt werden, gilt 85A deshalb als Grenzfall: technisch druckbar (Hersteller raten zu Direktextrudern und 10–20 mm/s), aber erst nach einem Praxistest eine Empfehlung – der steht aus, solange der Drucker nicht da ist.
PEBA (Polyether-Block-Amid) ist kein TPU, sondern ein Nylon-verwandter Elastomer – und laut einem aktuellen Community-Vergleichstest (Bounce-Test, isanmate 2026) das rückfedernste Flex-Filament überhaupt. Fillamentum nennt als Alleinstellungsmerkmal die Energierückgabe bis −60 °C (Flexfill PEBA 90A), Siraya eine per Düsentemperatur einstellbare Härte von 70A bis 95A. Dazu kommt Nylon-artige Ermüdungsfestigkeit bei sehr geringem Gewicht – das Material, aus dem Schuh-Zwischensohlen sind.
| TPU 85A | PEBA (90A) | |
|---|---|---|
| Charakter | richtig weich, gummiartig | weich, aber extrem rückfedernd |
| Zuführung | Grenzfall im Schlauch – langsam, wenig Retraktion | wie 95A, unproblematischer als 85A |
| Düse | 210–230 °C | 225–245 °C (Fillamentum), Bett bis 60 °C optional |
| Besonderheit | maximale Weichheit | Rebound + Ermüdungsfestigkeit, auch in der Kälte |
| Preis ca. | ~60–120 €/kg (US-Shop-Preise, DE-Auswahl dünn) | ~60–170 €/kg – das teuerste Flex-Filament hier |
Fazit: 95A bleibt der Default, weil es auf dieser Maschine am sichersten läuft. 85A für maximale Weichheit, wenn der Zuführ-Test glückt. PEBA, wenn Rückfederung und Dauerbelastung zählen und der Preis egal ist.
02
Was der Drucker braucht
Düse, Bett und Kammer
Startwerte aus Herstellerangaben und Recherche, noch ohne eigenen Druck
grüne Zone
- Kurzer, gerader Filamentweg – der wichtigste Punkt. TPU knickt in langen oder gebogenen Führungen leicht ab. Auf dem Toolchanger ist das eine Zuweisungsfrage: der Kopf mit dem direktesten Zulauf bekommt TPU, dauerhaft, wie die 0,6-mm-Düse bei Wood-PLA.
- 0,4-mm-Standarddüse reicht, kein Verschleiß, keine gehärtete Düse nötig – reines TPU ist nicht abrasiv.
- Anders bei TPU-GF: abrasiv (gehärtete Düse Pflicht, hier Serie), heißere Düse (240–270 °C laut Siraya-TDS) und Schichthaftung als Schwachstelle – Details auf der eigenen Seite TPU-GF.
- Langsam drucken, 15 bis 30 mm/s. Deutlich gemächlicher als jedes andere Material auf dieser Seite.
- Retraktion klein halten. Zu viel Retraktion staucht das weiche Filament im Extruder, statt es sauber zurückzuziehen.
- Bei 85A gilt das alles verschärft. Je weicher das Filament, desto eher staucht es in den Zuführschläuchen der vier Köpfe – Hersteller empfehlen für 85A Direktextruder und 10–20 mm/s. Ob die Schlauchführung des Creator 5 Pro 85A zuverlässig schluckt, muss der erste Praxistest zeigen; PEBA ist dagegen zuführseitig unproblematischer und verhält sich wie 95A.
- 220–240 °C Düse, 40–60 °C Bett, Kammer aus. Thermisch grüne Zone.
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Wann ein Trockner nötig wird
TPU zieht Feuchtigkeit deutlich schneller als PLA oder PETG, aber nicht annähernd so extrem wie PVA/BVOH oder Nylon – in der Hygroskopie-Reihenfolge liegt es zwischen BVOH und PETG. Feuchtes TPU blubbert hörbar in der Düse, und Zugbelastung führt dann eher zum Reißen statt zum elastischen Dehnen – genau die Eigenschaft, für die das Material überhaupt gewählt wird, fällt damit als Erstes aus.
04
Das Trockner-Setup
50 bis 60 °C für 6 bis 12 Stunden, branchenüblich für PLA-basierte wie auch reine TPU-Formulierungen – siehe Materialien. Danach luftdicht mit Silikagel zwischenlagern wie jedes Nicht-PLA-Material.
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Einsatz: Hart/Weich-Kombis
TPU wird auf dieser Maschine selten allein interessant – der eigentliche Wert entsteht in Kombination mit einem starren Material im selben Druck: eine PETG-Halterung mit TPU-Dichtlippe, ein PLA-Gehäuse mit TPU-Dämpferfüßen, ein Griff aus starrem Kern mit weicher TPU-Ummantelung. Genau der Fall, für den der Toolchanger gebaut ist – ein Ein-Düsen-AMS-Drucker müsste bei jedem Materialwechsel purgen, hier bleibt TPU dauerhaft auf einem eigenen Kopf.
Kaum Nachbearbeitung nötig: TPU wird praktisch immer unbehandelt eingesetzt, funktional statt dekorativ. Kleben ist möglich (Cyanacrylat auf angerauter Fläche), aber selten der erste Griff – meist lässt sich die Geometrie so gestalten, dass eine mechanische Passung reicht.
TPU-GF spielt eine eigene Karte: der Nylon-Ersatz mit Sturzfestigkeit – ausgewachsen auf seiner eigenen Seite.
85A und PEBA decken das weiche Ende ab: 85A überall dort, wo ein Teil sich wirklich gummiartig anfühlen soll – weiche Dichtlippen, Griffpolster, Wearables. PEBA dort, wo ein Teil Energie zurückgeben und tausende Biegungen überstehen muss: Dämpfer mit Rückstellkraft, Schutzgehäuse für Drohnen, alles nach Art einer Schuhsohle. Und weil PEBA laut Hersteller auch bei −60 °C elastisch bleibt, ist es das einzige Flex-Material hier mit einer echten Winter-Story.
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Wo kaufen
Bei TPU 95A entscheidet vor allem die Fertigungstoleranz über die Preisstufe – alle drei Marken drucken sich ähnlich unproblematisch, unterscheiden sich aber in Konsistenz von Charge zu Charge.
- Höchste Qualität, ca. 39 €/kg: Prusament TPU 95A – engste Fertigungstoleranzen der drei Marken, mit eigener Qualitätskontrolle je Spule (NFC-Chip). Über den Prusa-Shop.
- Gute Qualität, ca. 25–35 €/kg: Polymaker PolyFlex TPU-95A – einsteigerfreundlich, über 400 % Bruchdehnung, druckt ohne Hardware-Umbau auf den meisten Desktop-Druckern. Über 3DJake.
- Mittlere Qualität, ca. 19–29 €/kg: eSUN TPU-95A – für Dämpfer- und Griffanwendungen ohne hohe Präzisionsanforderungen ausreichend, Aktionspreise teils am unteren Ende der Spanne. Über 3DJake.
TPU-GF steht außerhalb der Preisstaffel (faktisch eine Quelle, ~30–37 €/kg) – Details auf seiner eigenen Seite.
85A und PEBA ebenfalls außerhalb der Staffel: NinjaFlex 85A (NinjaTek) liegt im US-Shop bei 32,50–64,99 $ je 500-g-Spule, umgerechnet grob 60–120 €/kg – die DE-Auswahl ist dünn; Siraya Flex TPU 85A ist die jüngere Alternative. PEBA ist das teuerste Flex-Material hier: Fillamentum Flexfill PEBA 90A rund 88 € je 500 g (~176 €/kg, 3DJake), daneben günstigere Einsteiger wie Amolen PEBA Basic oder Siraya PEBA (ab ~42 $, US-Shop). Alle Preise Shop-/Herstellerangaben, Stand 01.09.2026.
Keine eigene Testerfahrung – der Drucker steht erst seit dem 1. September hier, siehe Abenteuer. Die Einordnung oben stammt aus Vergleichstests und Herstellerangaben, nicht aus einem eigenen Praxistest (die TPU-GF-Quellen inklusive des Lost-In-Tech-Videotests stehen jetzt auf der TPU-GF-Seite).