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TPU-GF

Glasfaser in einem flexiblen Material klingt wie ein Widerspruch – und ist doch die spannendste neue Faser-Spule für diesen Drucker: 15 % Kurzglasfasern in einem 67D-TPU ergeben ein Material, das festigkeitsmäßig in Richtung Nylon zielt, aber sturzfest bleibt, nicht warpt und ohne Kammer auskommt. Dafür gibt es faktisch nur einen Anbieter, nur Matt-Schwarz – und eine echte Schwäche bei der Schichthaftung.

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Was ist TPU-GF – und wie steht es gegen die anderen Faser-Materialien da

Zone
grün · Bett bis 85 °C
Düse
240–270 °C
Bett
40–60 °C
Preis
30–37 €/kg
Bündel heller Glasfaser-Roving-Stränge auf einem dunklen Gewebe
Referenzfoto: Glasfaser-Roving – aus solchen Endlossträngen werden die Kurzfasern fürs Filament geschnitten (Foto: NoiseD / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0) – nicht das gedruckte Ergebnis.

TPU-GF ist TPU mit eingemischten Glas-Kurzfasern – konkret geht es hier um Siraya Tech Fibreheart TPU-GF, das einzige relevante Produkt dieser Klasse: 15 % gehackte Glasfasern in einer TPU-Matrix mit Shore-Härte 67D. Die Fasern bilden ein tragendes Skelett, die Matrix bleibt elastisch. Die Werte aus dem technischen Datenblatt des Herstellers (Herstellerangaben, Stand 01.09.2026): Zugfestigkeit 32 MPa (XY), E-Modul 445 MPa, Bruchdehnung 80 % – und im Charpy-Schlagtest bricht der Prüfkörper schlicht nicht. Vicat-Erweichung bei 157 °C, Wasseraufnahme 1,69 %. Dazu kommt ein Nebeneffekt, den kein CF-Material bietet: Weil Faser und Matrix beide flexibel sind, entstehen beim Biegen oder Brechen keine Glas-Splitter – die übliche Glasfaser-Vorsicht entfällt beim fertigen Teil (nicht beim Schleifen, dazu Abschnitt 05).

Der ehrliche Vergleich mit den vier anderen Faser-Materialien dieser Site (Werte: Herstellerangaben und Shop-Recherche, Stand 01.09.2026; Details auf den verlinkten Einzelseiten):

TPU-GFPLA-CFPETG-CFASA-CFPA-CF
Faser15 % Glas (Kurzfaser)8–15 % Kohle~10 % Kohle8–10 % Kohle15–20 % Kohle
Charakterflexibel-steif, federnde Basisstarr, sehr steifstarr, zähstarr, UV-feststarr, härteste Klasse hier
Festigkeits-RichtungSchlag & Sturz (Charpy: bricht nicht), Zug 32 MPa – Schwachstelle ist die Schichthaftunghohe XY-Steifigkeit, spröde bei Schlaghohe XY-Festigkeit, zäher als PLA-CFsteif und maßhaltig, bei Schlag spröder als ASAhöchste Festigkeit und Hitzebeständigkeit (>120 °C Dauer)
Kammer nötig?nein (empfohlen, nicht nötig)neinneinja, 55–65 °Cja, 50–65 °C, dazu 260–300 °C Düse
Feuchteempfindlichkeitmittel (wie TPU)geringmittelmittelsehr hoch – direkt aus dem Trockner drucken
Preis ca.30–37 €/kg, faktisch ein Anbieter21–34 €/kg30–40 €/kg35–55 €/kg74–120 €/kg
Wann welcheswenn das Teil Stürze und Schläge überstehen und dämpfen sollsteife, leichte Teile mit Carbon-Optikzähe Funktionsteile ohne Kammergroße, maßhaltige Teile draußenmaximale Festigkeit, Hitze, Profi-Anspruch

Die Tabelle zeigt die eigentliche Pointe: TPU-GF ist das einzige Faser-Material, dessen Stärke nicht Steifigkeit ist, sondern Schlagfestigkeit – bei gleichzeitig einfachstem Druckprozess der ganzen Zeile (keine Kammer, kein Warping, normale Temperaturen). Wer ein starres Bauteil will, ist bei den vier Kohle-Materialien richtig; wer ein Teil will, das einen Sturz vom Tisch überlebt, landet hier.

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Was der Drucker braucht

Düse, Bett und Kammer

Startwerte aus Herstellerangaben und Recherche, noch ohne eigenen Druck

grüne Zone

  • Die Schichthaftung ist die eine echte Schwäche. Die Glasfasern stören die Verbindung zwischen den Layern – je mehr Glas, desto schwächer. Abmildern lässt sich das über eine größere Linienbreite (das optionale 0,6-mm-Modul hilft hier doppelt) und Drucktemperatur am oberen Limit. Annealing ist dagegen kontraproduktiv. Wer maximale Festigkeit braucht, konstruiert besser um die Schichtebene herum, statt dagegen anzudrucken.
  • Gehärtete Düse ist Pflicht – Glasfaser ist abrasiv und frisst Messing. Beim Creator 5 Pro serienmäßig verbaut, es gibt also nichts umzurüsten. Herstellerangabe: 0,4 mm oder größer.
  • 240–270 °C Düse, 40–60 °C Bett, Kammer nicht nötig (Hersteller: empfohlen, aber nicht verpflichtend). Maximum der Düse hier ist 320 °C, das Bett erreicht die 60 °C locker – thermisch grüne Zone mit viel Reserve.
  • 30–100 mm/s, Lüfter 20–50 % (Herstellerangabe) – langsamer als PLA, aber spürbar schneller als weiches TPU (15–30 mm/s). Schichthöhe ab 0,2 mm.
  • Verschleiß in der Zuführung im Blick behalten. Siraya warnt selbst davor, dass die Glasfaser auf Dauer die Kunststoff-Filamentwege und Förderzahnräder von AMS-Systemen abnutzt – hier führen vier Zuführschläuche zu den Köpfen, derselbe Mechanismus. Kein Grund zur Panik, aber ein Grund, TPU-GF nicht als Dauer-Testmaterial für jeden Kopf zu verwenden.
  • Betthaftung eher zu gut als zu schlecht. Das Datenblatt nennt Glas, PEI-Folie oder PVP-Klebestift als Druckbetten; auf PEI haftet TPU fast zu gut – der Klebestift ist hier wie bei PETG eher Trennschicht als Haftvermittler.

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Warping und Feuchte

Kaum Verzug

Hier greift der Warping-Mechanismus kaum

Warping gibt es praktisch nicht: Der Glasübergang von TPU liegt unterhalb der Raumtemperatur, der Wärmeschrumpf-Mechanismus, der ABS und ASA-CF von der Bettkante hebelt, greift hier schlicht nicht. Kein Brim-Zwang, keine Kammer, keine Vorheiz-Rituale – der entspannteste Druckprozess aller fünf Faser-Materialien in der Tabelle oben.

Feuchte dagegen ist ein echtes Thema, wie bei jedem TPU: Das Datenblatt gibt 1,69 % Wasseraufnahme an und warnt, dass die Glasfasern mikroskopische Kanäle bilden, die Feuchtigkeit einschließen. Das fiese Symptom laut Hersteller: Feuchtes TPU-GF wird spröde – ausgerechnet die Schlagfestigkeit, der ganze Grund für dieses Material, fällt dann als Erstes aus. Wer 35 € pro Kilo für Sturzfestigkeit bezahlt, trocknet die Spule.

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Das Trockner-Setup

50 bis 60 °C für mindestens sechs Stunden vor dem Druck – Herstellerangabe, und dieselbe Spanne wie bei TPU 95A: Der Trockner, der ohnehin für das Standard-TPU auf der Einkaufsliste steht, deckt TPU-GF also komplett mit ab. Danach luftdicht mit Silikagel lagern; die versiegelte Alu-Verbundtüte der Originalverpackung ist laut Hersteller die richtige Aufbewahrung. Anders als bei PA-CF ist kein Drucken direkt aus dem laufenden Trockner nötig – trocknen, einlagern, normal drucken reicht.

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Einsatz: überall, wo Nylon zu brüchig gedacht war

TPU-GF füllt eine Lücke, von der man vorher nicht wusste, dass es sie gibt: überall dort, wo man sonst zu Nylon greifen würde, aber etwas Flexibilität verträgt und das Teil einen Sturz oder Schlag überstehen soll, statt zu brechen. Die Klassiker aus dem Community-Videotest und den Hersteller-Anwendungsbeispielen:

  • Drohnenteile – Schutzrahmen, Halterungen, Landegestelle: steif genug für den Flug, schlagfest genug für die Landung.
  • Vibrationsdämpfung mit Tragfähigkeit – Maschinenfüße, Kamera- und Sensor-Mounts, die gleichzeitig halten und entkoppeln müssen.
  • Gedruckte Riemen, Bänder, Zahnräder mit Weichheitsreserve – Teile unter Dauerzug, die als starres Material ermüden würden.

Der Vorteil gegenüber PA-CF: keine Kammer, kein Warping, kein Ringen mit der Feuchtigkeitsempfindlichkeit von Nylon – und der Preis liegt bei gut einem Drittel. Der Verzicht: PA-CF bleibt fester, steifer und hitzebeständiger im Dauerbetrieb. Auf dem Toolchanger kommt dazu die Kombinationskarte: TPU-GF als strukturelle, schlagfeste Haut um einen starren PETG-Kern, während ein dritter Kopf die weiche 95A-Dichtlippe druckt – genau der Fall, für den vier Köpfe gebaut sind.

Ein Sicherheitshinweis der Vollständigkeit halber: Das fertige Teil splittert nicht – aber Schleifen und Sägen erzeugt Staub mit Glas-Mikropartikeln, der Hersteller empfiehlt dafür ausdrücklich eine Atemschutzmaske. Funktional drucken, nicht nachbearbeiten, ist hier ohnehin der Regelfall.

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Wo kaufen

Die ehrliche Antwort vorweg: Es gibt faktisch nur eine relevante Quelle, deshalb fehlt hier die sonst übliche Drei-Stufen-Preisstaffel – kaum Preiswettbewerb, weil kaum Wettbewerb. Das kann sich ändern, sobald mehr Hersteller aufspringen (Stand 01.09.2026).

  • Siraya Tech Fibreheart TPU-GF, ca. 30–37 €/kg (umgerechnet aus dem Dollar-Preis im Siraya-Shop, je nach Kurs und Aktion) – 15 % Glasfaser, 67D-Basis, ausschließlich als 1-kg-Spule in Matt-Schwarz. Keine Farbauswahl, keine Abstufung – dafür auch keine verwirrende Variantenvielfalt.

Die Einordnung auf dieser Seite stammt aus dem Hersteller-Datenblatt (in Abschnitt 01 verlinkt) und aus einem ausführlichen Community-Videotest (Lost In Tech, 2026), in dem das Material unter anderem auf Schichthaftung und Schlagfestigkeit geprüft wird.

Keine eigene Testerfahrung – der Drucker ist noch nicht angekommen, siehe Abenteuer. Alle Angaben oben sind Hersteller- oder Community-Quellen, nicht das Ergebnis eines eigenen Praxistests.