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PCTG und PCTG+CF

Der schlagzähe Verwandte von PETG – kristallklar, etwa viermal so zäh und deshalb im Elektronik-Strang das Gehäusematerial erster Wahl. Mit PCTG+CF gibt es seit kurzem eine kohlefaserverstärkte Variante, die den Handel genau umdreht: steifer, aber spröder. Beide brauchen ein heißeres Bett, als diese Site bisher angegeben hat.

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Was PCTG ist – und was die Kohlefaser daraus macht

Zone
gelb · Bett 90–110 °C
Düse
250–270 °C
Bett
90 °C, mit Kohlefaser 100 °C
Preis
32 €/kg · +CF 62 €/kg
Transparenter Acrylglas-Würfel
Referenzfoto: transparentes Acrylglas (Foto: Leiem / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0) – nicht das gedruckte Ergebnis. PCTG zielt auf genau diese kristallklare Transparenz, die PETG „klar“ nicht erreicht.

PCTG ist kein PETG mit Zusatz, sondern ein eigenes Copolyester auf Basis von Cyclohexandimethanol (CHDM, bekanntester Vertreter Eastman Tritan). Chemisch verwandt, anderes Grundpolymer, und damit ein anderer Charakter: Wo PETG unter einem Schlag splittert, gibt PCTG nach. Die Zahlen aus dem Datenblatt von Fiberlogy (Herstellerangaben, Stand 03.09.2026): Zugfestigkeit 43 MPa an der Streckgrenze und 45 MPa beim Bruch, Biegefestigkeit 60 MPa, Wärmeformbeständigkeit 76 °C bei 0,45 MPa.

Beim Schlagwert gehen die Quellen weit auseinander, und das gehört offen dazu: Fiberlogy nennt 92 kJ/m² im gekerbten Izod-Test, der unabhängige Vergleich von CNC Kitchen kommt auf rund 24 kJ/m² gegenüber 5 bis 8 kJ/m² bei Standard-PETG. Beides sind unterschiedliche Prüfaufbauten, die sich nicht ineinander umrechnen lassen. Der gemeinsame Nenner beider Werte ist der eigentliche Punkt: PCTG liegt deutlich über PETG, etwa auf ABS-Niveau, und braucht dafür keine beheizte Kammer.

PCTG+CF – Steifigkeit gegen Zähigkeit

Spulen mit schwarzem Kohlefaser-Roving in einer Produktionsanlage
Referenzfoto: Kohlefaser-Roving auf der Spule (Foto: Acheolg / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0) – nicht das gedruckte Ergebnis. Aus solchen Endlossträngen werden die Kurzfasern geschnitten, die im Filament stecken.

Fiberlogy PCTG+CF ist dasselbe Grundpolymer mit 10 % Kohlefaser, verkauft in 750-g-Spulen statt der üblichen 1 kg. Die Fasern machen das Material steifer, maßhaltiger und wärmestabiler – und nehmen ihm dabei genau die Eigenschaft, wegen der PCTG hier überhaupt im Plan steht. Kohlefaser wirkt in jedem Grundmaterial gleich: mehr Steifigkeit, weniger Zähigkeit. Wer einen Schnapphaken oder eine Klemmbacke druckt, ist mit dem ungefüllten PCTG besser bedient; wer eine Halterung will, die sich unter Last nicht durchbiegt, greift zur Faser.

Dazu kommen die üblichen Faser-Nebenwirkungen: matte Schwarz-Optik statt Transparenz, stark abrasiv, und ein Preis von 62 €/kg gegenüber 32 €/kg für ungefülltes PCTG. Fiberlogy führt außerdem eine glasfaserverstärkte Variante (PCTG+GF); für diese Site ist sie bisher nur eine Fußnote, geprüfte Werte liegen hier nicht vor.

Im Vergleich

PETGPETG-CFPCTGPCTG+CF
BasisStandard-CopolyesterPETG + 10 % Kohlefasereigenes Copolyester (CHDM-basiert)PCTG + 10 % Kohlefaser
Charakterzäh, splittert unter Schlagsteifer, formstabilerschlagzäh, gibt nachsteif und maßhaltig, spröder als PCTG
Optikfarbig, transparent-trübtiefmattschwarzkristallklarmattschwarz, Carbon-Finish
Zonegrüngrüngelbgelb
Düse230–250 °C240–260 °C250–270 °C250–270 °C
Bett70–85 °C70–85 °C90 °C (Shop-Angabe 90–110)100 °C (Shop-Angabe 90–110)
Abrasiv?neinleicht, gehärtete Düseneinstark – gehärtete Düse Pflicht
Trocknenmoderat, 60–65 °Cmoderat, 60–65 °Cempfindlicher als PETG, 60 °C / 4 hwie PCTG, 60 °C / 4 h
Preis ca.15–37 €/kg30–40 €/kg32 €/kg62 €/kg (46,60 € für 750 g)
Typischer EinsatzHalterungen, Gehäuse, OutdoorWerkzeuggriffe, StoßbelastungGehäuse mit Sichtfenster, Schnapphaken, Klemmensteife Halter, Maschinenteile, Ersatzteile

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Was der Drucker braucht

Düse, Bett und Kammer

Herstellerangaben von Fiberlogy, noch ohne eigenen Druck

gelbe Zone

  • Das Bett ist der Engpass, nicht die Düse. Fiberlogy nennt 90 °C für PCTG und 100 °C für PCTG+CF, 3DJake listet für beide 90 bis 110 °C. Der Creator 5 Pro schafft real 85 bis 92 °C statt der angegebenen 120 – damit liegt PCTG am unteren Rand der Herstellerspanne und PCTG+CF darunter. Beides ist machbar, aber mit der Sorgfalt der gelben Zone: Kammer vorheizen, Tür zu, großzügiges Brim, fettfreies Bett.
  • 250 bis 270 °C Düse. Deutlich heißer als das PETG-Profil. Die früher hier genannte Faustregel „PETG-Profil plus 10 °C“ (also 230–260 °C) liegt zu niedrig; sie stammte aus allgemeiner Recherche, nicht vom Hersteller. Beim ersten Spulenwechsel lohnt ein Temperaturturm in 5-°C-Schritten.
  • Kammer kalt lassen. Wie bei PETG wird das Material bei zu warmer Kammer weich, Überhänge fallen. Fiberlogy schreibt ausdrücklich, dass keine geschlossene Kammer nötig ist. Lüfter 0 bis 25 %.
  • Die Haftung ist zu gut, nicht zu schlecht. Fiberlogy rät davon ab, direkt auf glattem PEI oder Glas zu drucken – das Teil kann beim Ablösen Stücke aus der Platte reißen. Empfohlen sind Klebestift als Trennschicht, Kreppband oder eine texturierte Platte. Das gilt für PCTG und PCTG+CF gleichermaßen und ist auf dieser Maschine der wichtigste Handgriff, weil die Platte glänzend ist. Ein Klebestift ist deshalb zusammen mit der ersten Rolle bestellt.
  • PCTG+CF ist stark abrasiv. Gehärtete Düse ist Pflicht – hier serienmäßig verbaut, es gibt nichts umzurüsten. Fiberlogy empfiehlt beim Hantieren zusätzlich Handschuhe, Staubmaske und Schutzbrille, weil die Fasern die Haut reizen.

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Wann ein Trockner nötig wird

PCTG zieht schneller Feuchte als Standard-PETG – kein dramatischer Unterschied wie bei PVA/BVOH oder Nylon, aber genug, dass sich trockene Lagerung von Anfang an lohnt. Die Anzeichen sind dieselben wie bei PETG: Fäden, raue Oberfläche, vereinzelte Blasen. Die Kohlefaser ändert daran nichts, sie macht die Fäden nur auffälliger, weil sie auf der matten Oberfläche schlechter zu kaschieren sind.

Der Trockner steht auf der Bestellliste für Oktober. Bis dahin gilt: frische Spule zügig verbrauchen, zwischendurch luftdicht mit Silikagel lagern, nicht offen am Drucker hängen lassen.

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Das Trockner-Setup

Fiberlogy nennt für beide Varianten 60 °C und vier Stunden. Das liegt im selben Fenster wie PETG (60 bis 65 °C, siehe Materialien) und braucht kein eigenes Gerät und keine eigene Einstellung. Danach luftdicht mit Silikagel zwischenlagern, konsequenter als bei PETG.

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Einsatzbereich

PCTG ist die richtige Wahl, wenn Zähigkeit und Klarheit zusammenkommen: Gehäuse mit Sichtfenster, Schnapphaken, Klemmbacken, Schutzabdeckungen, die einen Stoß aushalten müssen, ohne blind zu werden. Im Elektronik-Strang ist es aus genau diesem Grund das Gehäusematerial statt PETG.

PCTG+CF dreht das um. Es kommt dort zum Zug, wo ein Teil sich unter Last nicht verbiegen soll und ein Stoß nicht zu erwarten ist: Halter, Maschinenteile, Ersatzteile, Vorrichtungen. Wer beides braucht – steif und stoßfest –, ist bei PET-CF oder TPU-GF besser aufgehoben, jedes an seinem Ende der Skala.

Nicht sinnvoll ist PCTG dort, wo es warm wird: Bei 76 °C Wärmeformbeständigkeit liegt es zwischen PETG und ASA. Für ein Gehäuse um einen Einplatinenrechner bleibt ASA die Antwort.

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Wo kaufen

Der Markt ist klein: Fiberlogy ist bei PCTG praktisch die einzige etablierte Marke mit belastbaren Angaben, ein Prusament-PCTG gibt es nicht. Wenig Wettbewerb ist ein Teil des Aufpreises gegenüber PETG, nicht nur der Materialpreis.

  • PCTG, 1 kg – 29,99 € (3DJAKE PCTG Transparent, die Hausmarke des Händlers; Fiberlogy liegt bei 31,72 €). Diese Rolle ist am 3. September bestellt, siehe Bestellliste. Die Druckwerte sind dieselben wie bei Fiberlogy: 250 bis 270 °C Düse, 90 bis 110 °C Bett laut Shop.
  • PCTG+CF, 750 g – 46,60 € (62,13 €/kg, 3DJake, Stand 03.09.2026). Bewusst nicht bestellt: Für die geplanten Gehäuseteile zählt die Schlagzähigkeit, und genau die kostet die Faser. Ein Kauf lohnt erst, wenn ein konkretes steifes Teil ansteht.

Beides über 3DJake oder direkt bei Fiberlogy.

Keine eigene Testerfahrung – der Drucker steht erst seit dem 1. September hier, siehe Abenteuer. Die Werte oben sind Herstellerangaben und Shop-Stände, kein eigener Praxistest.